Totengedenken am Deutschmeisterplatz

Deutschmeisterdenkmal, Wien Bildcredit: Kurt Frühwirt
Deutschmeisterdenkmal, Wien Bildcredit: Kurt Frühwirt

Nach dem oftmals noch goldenen Oktober mit noch einer Menge warmer Tage und den Feiern zu unserem Nationalfeiertag am 26. Oktober mit  einem Rekordbesuch von über einer Million Besucher beim Jahrgang 2017 der großen Leistungsschau des Österreichischen Bundesheeres in der Wiener Innenstadt zieht der November mit seinen kürzer werdenden Tagen und seinen häufigen Nebelschwaden in's Land. Traditionell gedenken wir am Beginn des Novembers jeden Jahres zu Allerheiligen und Allerseelen der Menschen, die diese Welt schon vor uns verlassen haben und die wir geschätzt und geliebt haben. Die Milizsoldaten des Jägerbataillons Wien 1 "Hoch- und Deutschmeister" gedenken genau in diesem Sinne wie jedes Jahr auch heuer - und zwar am 4. November bei strahlendem Sonnenschein und deutschmeisterblauen Himmel - der toten Kameraden in der nunmehr über drei Jahrhunderte währenden Geschichte der Deutschmeisterverbände. Traditionell veranstaltet der Deutschmeisterbund dieses jährliche Totengedenken beim Deutschmeister - Denkmal am Deutschmeisterplatz.

Das Deutschmeister - Denkmal auf dem Deutschmeisterplatz ist das erste große Denkmal unserer Kaiserzeit, das nicht nur einer einzelnen Persönlichkeit gewidmet wurde, sondern mit dem ein ganzes Regiment geehrt wurde - nämlich das Niederösterreichische kaiserliche und königliche Infanterieregiment "Hoch- und Deutschmeister" Nr. 4, wie damals der ganze hochoffizielle Name lautete. Anläßlich des zweihundertjährigen Bestandsjubiläums des kaiserlichen und königlichen Infanterieregimentes "Hoch- und Deutschmeister" Nr. 4 - so der wohl auch damals viel eher verwendete Regimentsname - beschloß der Wiener Gemeinderat feierlich die Errichtung des Deutschmeister - Denkmals und stellte dafür zunächst 20.000 Kronen zur Verfügung.

 

Nach der Grundsteinlegung am 7. September 1896 wurde in den folgenden Jahren ein Wettbewerb zur Gestaltung des Denkmals ausgeschrieben und eine sogenannte Deutschmeister - Denkmal - Lotterie veranstaltet, um die für den Bau benötigten Finanzmittel aufzutreiben. Ein eigens für diesen Zweck konstituiertes Denkmalkomitee lehnte jedoch die vom Preisgericht erstgereihten Entwürfe ab und wählte in der Sitzung vom 19. Oktober 1903 den Entwurf Nummer 9 des Bildhauers Johannes Benk mit dem Namen "Mit Gott für Kaiser und Vaterland" aus. Der Kostenvoranschlag für das Denkmal auf dem Deutschmeisterplatz vor dem Ambiente der weitläufigen Roßauer - Kaserne - damals die Kronprinz - Rudolf - Kaserne - lautete auf stattliche 192.860 Kronen ohne Fundament. Nach etwa dreijähriger Bauzeit wurde das Deutschmeister - Denkmal schließlich am 29. September 1906 feierlich enthüllt.

 

Das Deutschmeister - Denkmal ist aber nicht nur ein Monument, das mit seiner Vorderseite zur Wiener Ringstraße zeigt - nein, das Deutschmeister - Denkmal erzählt auch jede Menge Regimentsgeschichte des wohl bei weitem bekanntesten Wiener Hausregimentes in der Armee unserer Kaiserzeit! "Die Wiener ihren Deutschmeistern" - diese Inschrift befindet sich über der Statue der Vindobona, die sich auf den Wappenschild stützt und den Lorbeerkranz dem Fahnenträger nach oben reicht. Gleich darunter wird die Feuertaufe des Regimentes in den Türkenkriegen dargestellt. Am 3. Juli 1696 wurden die "Teutschmeister" in den kaiserlichen Dienst übernommen und erlebten schon am 11. September 1697 bei Zenta ihre Feuertaufe in einer großen Schlacht. Dabei zeichneten sie sich so aus, daß nach dem Bericht des Feldherrn Prinz Eugen der Kaiser persönlich flugs ein Dankschreiben an den Regimentskommandanten schickte!

 

An der Rückseite des Deutschmeister - Denkmals wird mit dem Relief "Graf Soro bei Kolin" des Einsatzes des Regimentes im Siebenjährigen Krieg gedacht. Im Siebenjährigen Krieg gegen Preußen nahm das Regiment mit Bravour an der Schlacht bei Kolin am 18. Juni 1757 teil. In dieser Schlacht stoppte das Deutschmeisterregiment den wuchtigen preußischen Angriff und drängte mit seinem schneidigen Gegenstoß unter Führung von Johann Graf Soro die Preußen von der Kammlinie der Krechorhöhe zurück. Mit seinem Einsatz hatte das Deutschmeisterregiment die Basis für den entscheidenden Angriff der österreichischen Kavallerie geschaffen. Vom Tag des Sieges in der Schlacht bei Kolin leitet sich der bis heute begangene Traditionstag der Deutschmeister ab. Nach dem Siebenjährigen Krieg wurde dem Regiment der Wienerwald und die Wiener Vorstädte zur Werbung zugewiesen und es erhielt 1769 die Regimentsnummer 4, die es bis zum Ende der Donaumonarchie führte.

 

Zwei Darstellungen aus den Napoleonischen Befreiungskriegen stellen Heldenmut und Waffenbrüderschaft von Soldaten des Regimentes dar. Auf der von vorne gesehen linken Seite des Denkmales befindet sich der Grenadier von Landshut, der sich im Jahr 1809 mit seinem Pulverkarren in die Luft sprengt, um eine übermächtige Reiterabteilung von seinen Kameraden abzuwehren. Auf der von vorne gesehen rechten Seite sehen wir, wie Feldwebel Fuchsgruber seinen verwundeten Leutnant Baron Synoth aus der Feindesmitte rettet. - eine Episode aus der Schlacht von Valeggio im Jahr 1814. Auf beiden Seiten des Deutschmeister - Denkmals finden sich die mit den Ortsnamen und mit den Jahreszahlen bezeichneten bedeutendsten Schlachten des Regiments. Die Hauptfigur oben auf dem Obelisk stellt einen vorwärtsstürmenden Fähnrich in der Montur etwa des Jahres 1900 dar, der die Regimentsfahne mit der linken Hand schwingt und mit dem gezückten Säbel in der rechten Hand auch jederzeit bereit ist, standhaft die Regimentsfahne gegen Angriffe des Feindes zu verteidigen!

 

Am 15. Oktober 1931 wurde der auf den Stufen liegende Lorbeerkranz  aus Bronze hinzugefügt. Dieser Kranz ist ganz speziell dem Gedenken an die rund 5.000 im Ersten Weltkrieg in den Jahren 1914 bis 1918 Gefallenen oder an Kriegsgräueln Verstorbenen des kaiserlichen und königlichen Infanterieregimentes "Hoch- und Deutschmeister" Nr. 4 gewidmet. Das Deutschmeister - Denkmal als Ganzes sei heute dem innehaltenden Andenken an die zehntausenden verstorbenen Deutschmeister gewidmet, die in den Deutschmeisterverbänden der vier Staatsformen gedient haben, aus denen sich die jüngsten dreihundert Jahre Geschichte unseres Landes zusammengesetzt haben.

 

Beim Totengedenken 2017 hat die Ehrenformation des Jägerbataillons Wien 1 "Hoch- und Deutschmeister" wieder einmal ihren großen Auftritt! Sie stellt vier Kranzträger und vier Ehrenposten mit dem Sturmgewehr 58 und bildet damit den gestaltenden Teil der großen Ehrenformation des Deutschmeisterbundes mit Deutschmeistern aus drei Jahrhunderten. Zum Beginn dieses geschichtsträchtigen Totengedenkens hundert Jahre nach den blutigen Schlachten des Ersten Weltkrieges nehmen das Deutschmeister - Schützenkorps und der Hoch- und Deutschmeister 1809 Füsilier- und Grenadiertraditionscompagnie mit Front zum Deutschmeister - Denkmal Aufstellung. Die musikalische Begleitung durch die Wiener Regimentskapelle Infanterieregiment Nr. 4 fügt sich wieder besonders stilvoll in das Totengedenken des Jahres 2017 ein. Zahlreiche Ehrengäste sind pünktlich eingetroffen und verfolgen den Einmarsch des Fahnentrupps des Jägerbataillons Wien 1 "Hoch- und Deutschmeister" zum Beginn des Festaktes.

 

Der Kommandant der Ehrenformation meldet dem Kommadaten des Jägerbatailllons Wien 1 "Hoch- und Deutschmeister" Oberst Stefan Koroknai und dem Präsidenten des Deutschmeisterbundes Oberstleutannt Andreas Tarbuk "das Ganze" zum Festakt angetreten. Der Bataillonskommandant stellt in seiner Rede das Zusammenwirken zwischen Traditionstag als Feiertag der Waffentaten der Deutschmeister und dem Totengedenken als dem Gedenktag an die toten Kameraden in der nunmehr über drei Jahrhunderte währenden Geschichte der Deutschmeisterverbände dar. Der frühere Bataillonskommandant und nunmehr frischgebackene Präsident der Union der Europäischen Wehrhistorischen Gruppen Oberstleutnant Michael Blaha berichtet über die stattliche Menge von ihm besuchter Veranstaltungen, mit denen in berührender Art und Weise den Toten aller Kriege gedacht wurde.

 

Der Präsident des Deutschmeisterbundes Oberstleutnant Andreas Tarbuk gibt anhand des Deutschmeister - Denkmals einen Überblick über die Verluste in der nunmehr über drei Jahrhunderte währenden Geschichte der Deutschmeisterverbände. Die beiden Militärgeistlichen wählen gemeinsam als Mittelpunkt ihrer Reden die Leiden der Soldaten und Zivilisten in der Kriegsgeschichte unseres Kontinentes und segnen die Kränze.Nach diesen besinnlich stimmenden Ansprachen legen die Kranzträger die beiden Kränze auf den Stufen des Deutschmeister - Denkmals nieder. Die folgende Ehrenbezeugung der zum Totengedenken angetretenen Formationen ist heuer speziell dem Gedenken an die rund 5.000 im Ersten Weltkrieg gefallenen oder an Kriegsgräueln verstorbenen Deutschmeister gewidmet. Nach der Kranzniederlegung wird "das Ganze" vom Kommandanten der Ehrenformation bei Oberst Stefan Koroknai und Oberstleutnant Andreas Tarbuk abgemeldet. Mit Ehrenbezeugung durch die Ehrengäste marschiert der Fahnentrupp des Jägerbatailllons Wien 1 "Hoch- und Deutschmeister" aus.

 

"General de Charge!" Das ist das Kommando von Oberst Stefan Koroknai für den traditionellen Ehrensalut aller Formationen, die unter Waffen stehen! Dabei wirkt auch traditionell der Traditionsverein der Reitenden Artilleriedivision Nr. 2 mit seinem Salutgeschütz mit! Damit wird den zehntausenden Toten des Regimentes, über die sich der historische Bogen des Deutschmeister - Denkmals spannt, die Ehre erwiesen! Den krönenden Schlußpunkt des Totengedenkens 2017 bestreitet schließlich die Wiener Regimentskapelle Infanterieregiment Nr. 4! Im Pulverdampf der Salven spielt sie den Deutschmeister Regimentsmarsch von Korporal August Wilhelm Jurek! Danach geht das wie jedes Jahr nachdenklich machende Totengedenken des Jahres 2017 mit dem traditionellen Gulaschessen im Otto Wagner Schützenhaus am nahegelegenen Donaukanal zu Ende. 

 

Was sagt Soldaten des Österreichischen Bundesheeres im Jahr 2017 das Totengedenken am Deutschmeisterplatz? Ich meine, die mittlerweile über drei Jahrhunderte währende Geschichte der Verbände mit dem "Hoch- und Deutschmeister" im Namen lehrt uns zunächst einmal ein gehöriges Maß an Dankbarkeit, daß wir heute in Frieden und Wohlstand leben! Diese Geschichte lehrt uns aber auch, daß der Friede stets auf's Neue gewonnen werden muß - und zwar nicht nur durch den Willen zum Frieden sondern auch durch den Willen Friedensstörer mit geeigneten Mitteln abzuwehren. Diese geeigneten Mittel werden nur durch einen Plan gebildet, der eine ausreichende Anzahl an Einsatzmitteln mit einer ausreichenden Anzahl an gut trainierten Soldaten zu einem koordinierten Zusammenwirken bringt.

 

Ausschließlich ein solcher aus der Sicherheitslage und nicht aus dem Kassenstand abgeleiteter Plan ermöglicht es dem Bundesheer, Schutz und Hilfe für unsere Bürger sicher zu stellen! Als Gedankenspende für die politischen Würdenträger sei hiermit die Einladung ausgesandt, intensiv darüber nachzudenken, ob es nicht doch einmal zur Abwechslung angesagt wäre, endlich  einen beschlossenen Plan für das Österreichische Bundesheer vollständig auch mit kostenintensiven Teilen umzusetzen! An einem Tag wie dem des Totengedenkens 2017 auf dem Deutschmeisterplatz sei es auch jedem Soldaten an's Herz gelegt, sich mit der Militärgeschichte seines Landes zu beschäftigen, denn dann weiß man, woher man kommt und was Soldat sein heißt - nämlich das Feuer weiterzugeben und nicht die Asche!

 

Und so schließe ich mit dem alten Wahlspruch -

 

"Deutschmeister ist und bleibt man!"

Ein journalistischer Beitrag von unserem Vereinsmitglied Anton Czech