Nationalfeiertag 2017

DIE WIENER MILIZ – STETS BEREIT

Die Milizinsel wird auf der Freyung direkt neben der Schottenkirche aufgebaut sein (an der Stelle, wo im Winter der Christkindlmarkt ist). Unsere Fläche ist gleich groß wie die letzten Jahre am Heldenplatz und bietet viele Möglichkeiten. Gruppenzelte lassen sich naturgemäß keine aufstellen, dafür gibt es keine Flurschäden durch schwere Fahrzeuge.
Es soll die gestiegenen Bedeutung der Miliz durch die Einführung eines "Tages der Miliz" Rechnung getragen werden, dieser wird im Rahmen des Nationalfeiertages auch groß beworben.
Wir sind offiziell aufgefordert, die Wiener Miliz im besten Licht und mit gesamter Ausstattung zu präsentieren! Parallel zur Leistungsschau werden 2017 auf der Milizinsel die Militgütesiegel an einige Unternehmen, Behörden  im feierlichen Rahmen übergeben.
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ESSAY. Der Nationalfeiertag ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit – über Datum, Namen und die Bedeutung des Festtags herrschte lang Uneinigkeit. Über das Werden eines nationalen Feiertags.

Nahezu jedes Land hat einen Staats- oder Nationalfeiertag, der an die Entstehung des betreffenden Landes oder an ein schicksalsschweres historisches Ereignis in der Geschichte dieses Landes erinnert.
In Frankreich ist es der 14. Juli, zur Erinnerung an den Beginn der Französischen Revolution, in Russland ist es nicht mehr der Tag der russischen Revolution von 1917, sondern seit dem Ende der Sowjetunion der 4. November, der Tag der Einheit des Volkes, in den USA wird die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli gefeiert, in China die Gründung der Volksrepublik China nach dem Ende des Bürgerkrieges am 1. Oktober und in Deutschland der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober.
Der österreichische Nationalfeiertag ist der 26. Oktober, der an jenen Tag erinnert, an dem im Jahr des Staatsvertrages (1955) der letzte Besatzungssoldat unser Land verlassen hatte, womit unsere volle Unabhängigkeit hergestellt war und außerdem vom Nationalrat das Verfassungsgesetz über die immerwährende Neutralität Österreichs beschlossen wurde.
Dieser österreichische Nationalfeiertag hat eine spannende Vorgeschichte.
Österreich war bekanntlich bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und noch einige Tage länger eine Monarchie. Als die Niederlage Österreich-Ungarns im Krieg unabwendbar feststand, begannen einzelne Nationalitäten, insbesondere die Ungarn und die Tschechen, aber auch andere Nationalitäten, sich von Österreich loszusagen und eigene Nationalstaaten zu gründen beziehungsweise sich anderen Nationalstaaten anzuschließen.
Der „Rest“, nämlich die wichtigsten deutschsprachigen Gebiete in einem geschlossenen Siedlungsgebiet auf dem Boden der Monarchie (also im Wesentlichen das heutige Österreich einschließlich Südtirol), schickte die gewählten Abgeordneten zur eilig einberufenen Sitzung einer Provisorischen Nationalversammlung nach Wien, wo sich am 30. Oktober 1918 „Deutschösterreich“ als eigener (relativ kleiner) Staat konstituierte.
Am 12. November 1918 wurde von der Provisorischen Nationalversammlung die Republik „ausgerufen“ und dieser Tag am 12. November 1919 zum ersten Mal als Nationalfeiertag gefeiert.
Zwar erfolgte die Gründung der Republik – also der Übergang von der Monarchie zur Republik – im Jahr 1918 zunächst auf der Basis einer breiten Koalition mit einer großen Mehrheit, aber sehr bald schon wurden die Gegensätze zwischen links und rechts größer und schärfer. Im Sommer 1920 platzte die Koalition und für den Rest der Ersten Republik blieben die Sozialdemokraten in Opposition und wurden nach dem Februar 1934 sogar verboten.
In dieser Zeit änderte sich auch die Einschätzung des Gründungstages der Republik. Der 12. November 1918 wurde immer weniger als Quelle gemeinsamer und positiver Erinnerungen empfunden und immer mehr ein Anlass für Auseinandersetzungen. Der 10. Jahrestag der Republikgründung (also der 12. November 1928) machte das bereits ziemlich deutlich. Er war für die Sozialdemokraten Anlass für enorme Begeisterung und für große Massenaufmärsche, aber für die bürgerlichen Parteien nur ein Anlass für eher kühle und distanzierte Reden.
Nach der Zerstörung der parlamentarischen Demokratie (1933/34) wurde auch der 12. November als Nationalfeiertag abgeschafft und durch den 1. Mai ersetzt. Aber der Versuch, den 1. Mai vieldeutig als „Tag der Jugend“, als „Tag der Arbeit“, als ein „der Mutter Gottes geweihter Tag“ und als „Tag der Proklamation der ständestaatlichen Verfassung“ zu einem Mehrzweckfeiertag umzufunktionieren, hatte keinen Erfolg.
Zwischen März 1938 und April 1945 gab es keinen österreichischen Nationalfeiertag – allein schon deshalb, weil es auch kein selbstständiges Österreich mehr gab und in den ersten Jahren der Zweiten Republik gab es keinen österreichischen Nationalfeiertag, weil man sich zunächst auf kein Datum einigen konnte. Zwar gab es Versuche, den Tag der Befreiung Wiens vom nationalsozialistischen Regime und von der großdeutschen Wehrmacht als „Tag der Befreiung“ zu etablieren, aber dieser Versuch konnte sich in Wien nur halbherzig und außerhalb Wiens überhaupt nicht durchsetzen. Erst nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages und mit dem Abzug des letzten Besatzungssoldaten aus Österreich kam die Diskussion über einen Nationalfeiertag wieder in Fahrt.
Im Herbst 1955 erging an Österreichs Schulen ein Erlass des Unterrichtsministers, in dem angeregt wurde, in den Schulen dafür zu sorgen, am 25. Oktober (also dem Tag, bis zu dem im Jahre 1955 der letzte Besatzungssoldat Österreich spätestens verlassen musste) ein feierliches Hissen der Flagge der Republik Österreich zu organisieren, damit dieser Tag von der Schuljugend „tief und unverlierbar erfasst wird“. Auf diese Weise entstand die Bezeichnung „Tag der Fahne“.
In dieser Zeit war Österreich das einzige europäische Land ohne Staats- oder Nationalfeiertag. Daher begannen in der damaligen ÖVP/SPÖ-Koalition Gespräche und Verhandlungen über einen gesamtösterreichischen Nationalfeiertag. Diese Verhandlungen waren nicht einfach. Die SPÖ neigte einer Rückkehr zum 12. November, dem Gründungstag der Republik zu, während die ÖVP den 15. Mai, nämlich den Tag des Abschlusses des Staatsvertrages mit seiner prominenten Rolle für Bundeskanzler Raab und Außenminister Figl, bevorzugte.
Schließlich beschloss der Nationalrat am 25. Oktober 1965 ein Bundesgesetz, in dem der 26. Oktober als österreichischer Nationalfeiertag festgelegt wurde. In einer Präambel dazu heißt es unter anderem:
„Eingedenk der Tatsache, dass Österreich am 26. Oktober 1955 mit dem Bundesverfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs seinen Willen erklärt hat, für alle Zukunft und unter allen Umständen seine Unabhängigkeit zu wahren und sie mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen und in eben demselben Bundesverfassungsgesetz seine immerwährende Neutralität festgelegt hat“, hat der Nationalrat den 26. Oktober als Nationalfeiertag beschlossen.
Seit 1967 gilt dieser Nationalfeiertag auch als arbeitsfreier Feiertag. Seiher sind fünf Jahrzehnte vergangen und der 26. Oktober als Nationalfeiertag hat sich bewährt und wird ohne Ressentiments akzeptiert.

"Kleine Zeitung" vom 26.10.2017